Marc Schuhs letztes WM-Finale

Spannend und hochklassig wie kaum eine andere Entscheidung bei den Weltmeisterschaften in der paralympischen Leichtathletik in London verlief das 400m Finale der T54. Während der neue Weltmeister Yassine Gharbi aus Tunesien mit hervorragenden 45,57 Sekunden (Championships-Rekord) eine Klasse für sich war, musste das Zielfoto herangezogen werden, um die weiteren Platzierungen zu ermitteln. Ganze 0,07 Sekunden lagen zwischen Platz zwei und Platz fünf. Titelverteidiger Kenny van Weeghel gewann schließlich Silber in ausgezeichneten 46,55 Sekunden, der Brite Richard Chiassaro Bronze 46,56 Sekunden. Für den Schweizer Marcel Hug blieb trotz 46,58 Sekunden nur „Blech“. Fünfter wurde der Silbermedaillengewinner über 100m, der Chinese Liu Yang in 46,64 Sekunden vor seinem Landsmann Liu Chengming, dem Dritten über 400m von 2012, in 47,23 Sekunden.

Im letzten Rennen seiner Karriere fuhr Marc Schuh in 47,83 Sekunden auf Rang sieben. Schon in der Aufwärmrunde und am Start hatte er breit gegrinst. Sein Plan, den Lauf zu genießen, ging voll auf: „Es war schön, die Atmosphäre ist fantastisch, die Stimmung exzellent“, sagte der 27jährige. Dass die Zeit etwas langsamer war als im Vorlauf, wurde zur Nebensache: „Die Zeit ist in Ordnung. Es war mit 18° relativ kühl, das kommt mir überhaupt nicht zugute.“

Viel lieber wollte sich der Doktorand der Kernphysik bei den Zuschauern bedanken: „Die Briten sind ein unglaublich toller Gastgeber wie schon vor fünf Jahren, als sie die Paralympics auf ein neues Niveau gehoben haben. Das gleiche ist ihnen nun mit der WM gelungen. Ein hervorragender Abschluss, jetzt kann ich mich voll auf meine Promotion konzentrieren.“

Klaus Höller, Trainer von Marc Schuh seit 2005: „Es ist sehr schade, dass Marc seine Karriere so früh beendet. Mit seinen 27 Jahren ist er immerhin – gemeinsam mit Yassine Gharbi – der jüngste der Londoner 400m-Finalisten. Aber ich kann diese Entscheidung gegen den Hochleistungssport und für den Beruf voll und ganz nachvollziehen, denn eine Entwicklung der letzten Jahre hat auch dieses Rennen bestätigt: Medaillen bei Paralympics oder Weltmeisterschaften kann man in der Startklasse T54 nur noch gewinnen, wenn man sich völlig auf den Sport konzentriert. Sport und Ausbildung oder Berufstätigkeit parallel zu betreiben, sind auf diesem Niveau nicht mehr möglich.“

Dennoch bleibt folgende Beobachtung: Am Donnerstagabend fuhr der „Hobbysportler“ Schuh 0,6 Sekunden schneller als der „Hochleistungssportler“ Schuh fünf Jahre zuvor im paralympischen Finale an gleicher Stelle.